Künstliches Kniegelenk
Ziel der Knie-Endoprothese ist die Beseitigung oder zumindest die Reduktion des Schmerzbildes sowie die weitgehende Wiederherstellung der Kniegelenkfunktion. Dieses wird durch den Ersatz zerstörter Gelenkanteile erreicht, gleichzeitig können damit die noch intakten Strukturen geschont werden. Es geht vor allem um die Erhaltung und Wiederherstellung des logischen Bewegungsablaufes eines Kniegelenkes. Das heißt, dass eine Kniegelenksprothese idealerweise die für jegliche Aktivität notwendige Beugung des Kniegelenkes bis zu 110 Grad wie auch die physiologisch automatische Rotation des Schienbeines ermöglichen sollte.
Der Ersatz des Knies, das so genannte „künstliche Knie“ hat sich in den letzten Jahren dramatisch positiv weiterentwickelt. Während früher so genannte „achsgeführte Knieprothesen“ mit viel Knochenverlust verwendet wurden, beschränken wir uns seit einigen Jahren darauf, nur die defekte Oberfläche zu ersetzen und sprechen daher von einem „Oberflächenersatz“ des Kniegelenkes. Dieser Oberflächenersatz kann sehr knochensparend implantiert werden, an Oberschenkel und Schienbein werden hier nur wenige Millimeter vom Knochen entfernt. Dies erlaubt bei späteren Wechseloperationen erneute Knieprothesen, ohne dass es dabei zu großem Knochenverlust kommen muß.
Die achsfreie Oberflächen Prothese hat sich in den meisten Kliniken durchgesetzt und vielfach die Scharnier Prothese als Standardversorung abgelöst. Für spezielle Indikationen haben die konventionellen unilateralen Schlittenprothesen wie auch die achsgeführten Implantate jedoch unverändert ihren Platz.
Die früheren achsgeführten Kniegelenke werden heute noch als Reservemethodik eingesetzt - auch bei uns - insbesondere, wenn das Knie zu schief steht oder der Bandapparat nicht mehr intakt ist. Um erfolgreiche Langzeitergebnisse zu erzielen ist die korrekte Beinausrichtung bzw. die mechanische Achsausrichtung von größter Bedeutung bei der Versorgung mit Knie-Endoprothesen. Als normale mechanische Achsausrichtung bezeichnet man die Linie, die durch die Mitte des Oberschenkelkopfes, die Mitte des Kniegelenkes und die Mitte des Knöchels verläuft. Diese normale Ausrichtung des Beines ermöglicht beim Gang und anderen Aktivitäten des Alltags eine gleichmäßige Kraftverteilung auf die innere und äußere Gleitlageroberfläche.
Beim künstlichen Ersatz des Kniegelenks ist es sehr bedeutsam, die Komplexität der funktionellen Einheit von Gelenk, Muskel und Bandstrukturen zu berücksichtigen. Eine individuelle Auswahl des Prothesenmodells, eine sorgfältige anatomische Anpassung unter Berücksichtigung der Stabilität des endoprothetisch versorgten Kniegelenks sowie der Anspruch an die Mobilität des Patienten sind äußerst wichtig. Um diesen Ansprüchen zu genügen und das Einsetzen der Oberfläche an Oberschenkel und Schienbein möglichst präzise zu bewerkstelligen, steht uns mit der Navigation ein modernes Verfahren zur Verfügung, das äußerste Präzision erlaubt und darüber hinaus eine spätere Analyse der erhobenen Daten samt Auswertung ermöglicht. Dieses während der Operation eingesetzte Navigations-Verfahren verzögert die Operation nicht wesentlich, erhöht jedoch deutlich die Präzision.
Operationsablauf im Überblick
Öffnen des Knies von Hand
Entfernen der Menisci
Bearbeiten des Schienbeinkopfes nach Ausrichten mit einer Schablone
Bearbeiten des Oberschenkelknochens nach Ausrichten mit einer Schablone
Einsetzen der Probe-Implantate
Überprüfen der Bandspannung von Hand
Einsetzen der endgültigen Implantate
Wundverschluss.
Behandlung nach der Operation
Am ersten Tag: Kurzaufstehen
Am zweiten Tag: Entfernen der Schläuche, Aufstehen und Beginn der passiven Bewegung mit Hilfe einer Motorschiene.
Ab dem dritten Tag: tägliche Motorschienen-Behandlung und Laufen.
Steigerung der Beugung auf der Motorschiene bis 90 Grad in ca. 2 Wochen.
Nach 10-14 Tagen Verlegung in die Rehabilitation.